Lea Grundig

23.3.1906 Lea Langer wird in Dresden als Tochter jüdischer
Kaufleute geboren.
1922-1924 Studium an der Dresdner Kunstgewerbeschule und
1924-1926 an der Dresdner Kunstakademie.
1926 Eintritt in die KPD.
1928 Heirat mit Hans Grundig.
Sie behält "Lea Langer" als Künstlernamen bei.
1930 Gründungsmitglied der Dresdner Sektion der "Asso"
(Assoziation revolutionärer bildender Künstler).
Erste Ausstellungen in Dresden, sie arbeitet vor allem an sozialkritischen Zeichnungen und flugblattartigen Linolschnitten in hohen Auflagen.

1928, am Tag der Hochzeit
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Mädchen auf dem Sessel.
1927. Tusche, Feder.
Prager Straße (Dresden).
1930. Aquarell.
Diskussion auf der Straße.
1930. Linolschnitt.
Harzburger Front – Parade der Militärvereine.
1933. Tusche.
1933 beginnt sie mit der Arbeit an Radierungen. Es entstehen u.a. die Zyklen "Frauenleben", "Unterm Hakenkreuz", "Krieg droht!". Lea Langer und Hans Grundig faßten ihre damalige Druckgraphik als unmittelbares Instrument im Kampf gegen den Faschismus auf. Auf eigener Presse wurden Abzüge hergestellt
und dienten im mehr oder weniger engen Kreis des Widerstandes als Mittel der Bewußtwerdung, der Verständigung, der Kommunikation, auch der Agitation. Einige Arbeiten wurden von Freunden und Unterstützern (z.B. Auguste Lazar, Helene Weigel und Theo Lingen) zur Veröffentlichung ins Ausland geschmuggelt.
Frühling in der Stadt.
Blatt 9 der Folge "Frauenleben".
1933. Radierung (WV Nr. 1)
Liebespaar unter der Brücke.
1933. Radierung (WV Nr. 4)
Der Sturm beginnt.
Blatt 1 der Folge
"Unterm Hakenkreuz"
1935.Radierung (WV Nr. 11)
Winterhilfe.
Blatt 3 der Folge
"Unterm Hakenkreuz".
1934.Radierung (WV Nr. 12)
Johnny Friedländer.
1934. Radierung (WV Nr. 13)
Portrait des berühmten Grafikers, einem Freund der Grundigs, kurz nach seiner Entlassung aus der KZ-Haft.
Weg einer Familie.
1934. Radierung (WV Nr. 20)
(die jüdische Familie Langer)
Kinder spielen Erschießen.
Blatt 4 der Folge
"Unterm Hakenkreuz".
1935.Radierung (WV Nr. 27)
Die Küche.
Blatt 2 der Folge "Frauenleben".
1935.Radierung (WV Nr. 26)
Dore Hoyer.
1935. Radierung (WV Nr. 59)
Portrait der berühmten Tänzerin und Antifaschistin, die während der Nazizeit mit den Grundigs in deren zweiteiliger Atelierwohnung lebte.
1936 erste Verhaftung wegen illegaler politischer Arbeit.
1938 zweite Verhaftung, Anklage wegen Vorbereitung zum Hochverrat, Verurteilung wg. Beihilfe. Freunden gelingt es, zahlreiche Radierungen und Druckplatten aus dem beschlagnahmten Atelier ins Ausland zu schaffen.
1939 Entlassung aus der Haft und anschließende Deportation und Internierung in der Slowakei. Zugleich wird ihr Mann erneut verhaftet und ins KZ Sachsenhausen gebracht.
1940 nach 9 Monaten Irrfahrt auf Flüchtlingsschiffen Aufnahme in Palästina als Schiffbrüchige, nachdem die Untergrundorganisation "Haganah" das Schiff gesprengt hatte, um die verzweifelten Flüchtlinge vor weiterer Deportation zu bewahren.
1941 Beitritt zur KP Palästinas
Bis 1942 lebt sie im Flüchtlingslager Athlit, danach in Haifa und Tel Aviv. Im Lager entsteht u.a. die "Hexenmappe" mit Darstellungen der internierten Flüchtlinge (im Verlag der Galerie Rose erstmals komplett publiziert). In den folgenden Jahren lebt sie als freie Künstlerin. Sie hat Ausstellungen mit Landschaftszeichnungen und Portraits, Aufträge für Illustrationen und politische, antifaschistische Plakate und arbeitet an Zeichnungen für die Zyklen "Antifaschistische Fibel" und "Im Tal des Todes", die auch als Buch erscheinen.
Seit der Emigration signiert sie mit "Lea Grundig".
1944 kann sich Hans Grundig bei einem erzwungenen Fronteinsatz im Strafbataillon durch Flucht zur Roten Armee befreien und kehrt
1946 nach Dresden zurück. Lea Grundig versucht sofort, zu ihrem Mann zu gelangen, wegen von der britischen Verwaltung verweigerter Visa gelingt ihre Ausreise erst
1948 (nach der Gründung Israels), wegen weiterer Visaprobleme in den Transitländern ist sie drei Monate unterwegs und trifft im Frühjahr
1949 in Dresden ein.
1950 Professur an der Hochschule für bildende Künste in Dresden.
1951 in der "Formalismus"-Debatte kämpft sie gegen engstirnige Kulturfunktionäre und setzt sich für kritisierte Schriftsteller und Künstler ein.
1958 Tod Hans Grundigs durch die Folgen der KZ-Haft. Autobiographie "Gesichte und Geschichte".
Nationalpreis der DDR Zweiter Klasse gemeinsam mit Hans Grundig.
In den 50er und 60er Jahren fertigt sie neben Landschaftszeichnungen und Potraits zahlreiche Buchillustrationen, auch Radierungen mit politischen Inhalten (z.B. "Kampf dem Atomtod").
1960 Reise nach China.
1961 Reise nach Kuba.
Seit 1961 Ordentliches Mitglied der Deutschen Akademie der Künste.
1963 Reise nach Kambodscha.
1964 Reise nach Ceylon.
1964-1970 Präsidentin des Verbandes bildender Künstler Deutschlands.
Seit 1964 Mitglied des ZK der SED.
1967 erhält sie den Nationalpreis der DDR Erster Klasse.
Lea Grundigs Werk wird in vielen Ausstellungen im In- und Ausland gezeigt. Mehrere Monographien erscheinen, ihre Autobiographie wird in zahlreiche Sprachen übersetzt.
Seit 1970 Ehrenpräsidentin des umstrukturierten Künstlerverbandes (umbenannt in: Verband bildender Künstler der DDR).
1972 Ehrendoktor der Universität Greifswald.
Lea Grundig richtet eine Stiftung zugunsten junger Künstler und Kunsthistoriker ein.
1977 nach langer, schwerer Krankheit unternimmt sie mit ihrer Freundin eine Mittelmeer-Kreuzfahrt, eine Möglichkeit für die DDR-Bürgerin Israel wiederzusehen, stirbt jedoch am 10. Oktober auf dem Schiff.
Lea Grundig wird auf dem Dresdener Heidefriedhof im "Kleinen Ehrenhain", der Gedenkstätte der Widerstandskämpfer an der Seite von Hans Grundig beigesetzt.
1978 erscheint posthum ihr Jugendbuch: "Über Hans Grundig und die Kunst des Bildermachens".

Einzelausstellungen u.a. in Haifa, Tel Aviv, Jerusalem, New York, Johannesburg, Paris, Berlin/DDR (u.a. Nationalgalerie), Westberlin, Dresden (Albertinum), Leipzig u.a. Städten in der DDR, in Leningrad (Eremitage), Moskau, Bukarest (Nationalgalerie), Budapest (Nationalgalerie), Warschau, Prag (im Manes), Coventry, Lyon, Mailand, München, Hamburg, Buenos Aires.
Ihre Arbeiten werden von zahlreichen Museen im In- und Ausland gesammelt. Der Nachlaß befindet sich in der Akademie der Künste Berlin.

Lea Grundig veröffentlichte an grafischen Zyklen:
1933-36: "Frauenleben", 12 Radierungen (WV Nr. 3, 26, 36, 32, 88, 89, 90, 54, 1, 7, 58, 51)
1933-37: "Unterm Hakenkreuz", 20 Radierungen (WV Nr. 11, 10, 12, 27, 15a, 87, 62, 72, 73, 74, 34, 96, 77, 49, 76, 71, 35, 92, 106, 95, 97)
1935-36: "Der Jude ist schuld", 7 Radierungen (WV Nr. 43, 102, 44, 47, 45)
1936: "Krieg droht!", 12 Radierungen (WV Nr. 74, 78, 82, 79, 83, 84, 85, 91, 93, 94, 80, 81)
1938: "Zum Spanienkrieg", 2 Radierungen (WV Nr. 111, 112)
1941: "Antifaschistische Fibel", 15 Zeichnungen
1942-43: "Im Tal des Todes", 15 Zeichnungen
1946-48: "Ghetto", 7 Zeichnungen und "Ghettoaufstand", 4 Zeichnungen
1944-50: "Niemals wieder!", 29 Zeichnungen
1951: "Kohle und Stahl für den Frieden", 13 Lithografien
1953: "Grimms Märchen", 400 Illustrationen
1956-57: "Zum Deutschen Bauernkrieg", 14 Radierungen (WV Nr. 118, 119, 120, 122, 121, 123-127, 129, 128, 130, 131)
1958: "Kampf dem Atomtod", 5 Radierungen (WV Nr. 132-136)
1959: "Der arme Konrad", 6 Pinselzeichnungen für eine Aufführung in der Deutschen Staatsoper Berlin
1961-67: "Fragen und Mahnungen", 8 Radierungen (WV Nr. 140, 146, 145, 144, 147, 143, 148, 149)
1966: "Daß ein gutes Deutschland blühe", 12 farbige Zeichnungen
1970: "Lenin", 5 Radierungen (WV Nr. 154, 151-153, 155)
1970-71: "BRD", 3 Radierungen (WV Nr. 156-158)

("WV" bezieht sich auf das Werkverzeichnis der Radierungen, erstellt durch Dirk Rose im Verlag der Ladengalerie, Westberlin 1973. Eine völlig überarbeitete Neuausgabe in Zusammenarbeit mit Maria Heiner ist in Vorbereitung.)

> siehe Wikipedia (Biographie)
Selbstbildnis (mit Hans Grundig).
1964. Radierung (WV Nr. 142)
Die Waschküche.
Blatt 3 der Folge "Frauenleben".
1934.Radierung (WV Nr. 36)
Gestapo im Haus.
Blatt 10 der Folge
"Unterm Hakenkreuz".
1934.Radierung (WV Nr. 34)
An der Tür vor ihrem Selbstbildnis stehen ihre Initialen mit dem Davidstern.
aus der Hexenmappe: „Sie zählt ihre zusammengerafften Schuhe, die sie nie trägt, nicht braucht, bloß um etwas zu besitzen, Lagerpsychose.”
1941. Tusche